Mittwoch, 5. April 2017

Die Naturgewalten Australiens

Hallo aus dem etwas verwüsteten Australien!
Wie ihr es wahrscheinlich schon mitbekommen habt, hat Zyklon Debbie hier an der Ostküste ihre Spuren hinterlassen - und nicht gerade wenig! Teilweise hat sie die Stärke 4 erreicht und kam auf eine Geschwindigkeit von 260km/h...Da wird schon einiges auf dem Weg mitgenommen. Doch dazu kommen später noch ein paar Bilder und Geschichten... 

Erst einmal geht es zurück zu unserem Ausflug zu Australiens höchsten Wasserfällen - den Wuluru Wasserfällen mit über 250m Falltiefe! Oben noch ein kleines Flüsschen, verwandelt sich der Strom schnell in ein reißendes Ungetüm, das dann mit einer unglaublichen Geschwindigkeit die Massen den Abhang hinunterstürzen lässt, wo die Tonnen an Wasser sich regelrecht in ein feines Netz aus tausend einzelnen Tropfen verwandeln, fast als wären sie schwerelos und würden die letzten Metter einfach hinunterschweben. Mit den schweren Wolken über diesem Naturspektakel wurde das ganze Bild erst vollkommen, so als wollte die Natur noch mal unterstreichen, wie klein und unbedeutend wir Menschen doch gegen diese Mächte sind. 


Nach diesem Ausflug war unser nächster Stopp das wunderschöne Magnetic Island. Eine kleine Insel, eine halbstündige Fährenfahrt vom Festland entfernt, liegt sie - mit ihren kleinen Stränden, Wanderwegen und Sträßchen. 



Magnetic Island, früher eine von Aborigines bewohnte Insel, wurde im Zweiten Weltkrieg ein wichtiger Aussichtspunkt für das Militär. Dieses installierte einige Festungsanagen auf der Insel um eine mögliche Invasion der Japaner zu überwachen. Zum Glück wurde die Insel von dem Angriff verschont und wir konnten die Ruinen der sogenannten "Forts" noch in voller Pracht erkunden... Wo bekommt man sonst so einen tollen Ausblick wenn nicht von Aussichtspunkten?!

  
 
Selbst auf Magnetic Island konnten wir teilweise die Gegenwart Debbie's spüren - zwei von zwei der mit Netzen vor Quallen gesicherten Strände waren gesperrt... Im Meer selbst schwammen Dreck und Algen sodass man eigentlich sowieso keine große Lust hatte, auch nur den kleinen Zeh reinzustrecken. Als wir schon fast die Hoffnung auf einen Sprung ins Wasser aufgegeben hatten, kamen wir an einem Strand vorbei - Alma Beach - an dem schwimmen auch ohne Netz erlaubt war! Schnorcheln war zwar trotzdem nichts, aber immerhin eine kleine Abkühlung. Erschreckend war nur, dass man, sobald man ins Wasser kam, kleine Quallen Schocks verpasst bekam! Nichts gefährliches - die Quallen hatte es beim Sturm zerrupft und daher waren es nur kleine Überreste der Tentakel - aber ein klein wenig komisch war das Gefühl dann doch.

Bevor wir aber weiter nach Airlie Beach fahren konnten, wurde uns erst mal in Strich durch die Rechnung gemacht: Der Highway zwischen Home Hill und Bowen war gesperrt: Überflutung und Zerstörung die Diagnose. Wir wussten natürlich erst mal nicht weiter - sollten wir den über 1000km langen Umweg durch das Outback wagen?! Würde sich das bei den horrenden Spritpreisen denn überhaupt lohnen? Oder sollten wir warten und auf ein fähiges Einsatzteam hoffen, das den Schaden schnell wieder beheben würde... Und dann war da noch unsere Tour auf die Whitsundays die wir für in zwei Tagen gebucht hatten... Wir schliefen erst einmal eine Nacht drüber. 
Nach einigen Stunden Recherche, vielen Telefonanrufen und einem Besuch beim Information Centre in der Stadt beschlossen wir am nächsten Tag, es zu  wagen und einfach durchzufahren. Was konnte schon schiefgehen? Im schlimmsten Fall müsste der 4WheelDrive der Mädels unseren 2Wheel eben aus dem Schlamm zu ziehen, aber so weit wollten wir lieber nicht denken. 
An der Polizeisperre angekommen, erzählten wir den Polizisten unseren Plan und.... die ließen uns einfach fahren! 
Im Endeffekt war die Strecke nicht schlimm- man sah viel Zerstörung und einige überflutete Gebiete  links und rechts des Highways, wir konnten aber ohne Probleme durchfahren. Dann kamen wir nach Airlie Beach: 

 
Das war ein etwas anderes Kaliber. Zu dem Zeitpunkt an dem wir ankamen hatten sie dort weder fließend Wasser noch fließend Strom, Palmen lagen über den Wegen, Schilder waren verbogen oder an Plätzen, an denen sie nicht sein sollten und ganze Boote wurden an den Strand gehoben. 
Woolworths war der einzige Supermarkt der offen hatte - und wurde auch dementsprechend leer geräumt.

 
 
Nachdem wir eine funktionierende Toilette und Dusche direkt am Strand etwas außerhalb gefunden hatten, beschlossen wir, dort zu bleiben. 
Am nächsten Morgen gab es für die Stadt wieder fließend Wasser - nicht trinkbar aber immerhin etwas. Strom sollte noch für die nächsten 6-8 Tage nur über einen Generator erreichbar sein. So etwas hatten wir noch nie erlebt!

Zu unserem Glück konnten beide Touren stattfinden und wir waren eine der ersten, die wieder zurück auf den Whitehaven Beach durften - einer der berühmtesten SandsträndeAustraliens. Doch auch in den Whitsunday Islands hatte Debbie ordentlich gewütet. Kaum ein Baum stand mehr gerade, das Meer war aufgewühlt und ganze Bäume schwammen an uns vorbei... Die Stimmung wurde wieder einmal noch mehr untermalt durch den von Wolken verdunkelten Himmel:

 
Etwas später am Tag kam die Sonne dann doch noch zum Vorschein und wir konnten erahnen, was für ein wundervolles Flair die Inseln und ihre Strände vor dem Zyklon wohl hatten. 


 Nach einer richtigen Rafting-Fahrt durch das aufgewühlte Meer zurück in den Hafen von Airlie Beach kehrten wir mit einem leichten Sonnenbrand, aber glücklich von den Erlebnissen des Tages zu unseren Autos zurück. Wir entschlossen uns (nachdem wir das inzwischen wieder intakte freie WLAN von Maccas etwas ausgenutzt hatten) an dem Main Beach zu übernachten. Die gleiche Entscheidung hatten augenscheinlich auch alle anderen Camper aus der Gegend gemacht - wir bekamen die letzten zwei Plätze! Abends saßen wir dann noch mit einigen anderen Deutschen von der rafting Tour zusammen, tranken den obligatorischen Goon, (oder eben Wasser ;) ) lachten viel und genossen den wunderschönen Ausblick auf den Sternenhimmel Autraliens. 

Am nächsten Morgen fuhren wir los in Richtung Rockhampton, das wir dann auch mit einer Zwischenübernachtung erreichten. Hier hatte Zyklon Debbie auf eine ganz andere Weise Spuren hinterlassen: unglaubliche Überflutungen!
 
  

  
 
  Die Einwohner waren diese Art von Naturkatastrophe anscheinend schon gewohnt, denn wie wir auf einer Art steinernem Denkmal entdecken konnten, war hier für jedes Jahr die Fluthöhe eingemeißelt worden. Laut den Einwohnern hatte die Höhe des inzwischen Bäume mit sich reißenden Flusses dennoch nicht seinen Höhepunkt erreicht, der sollte erst am nächsten Tag zu sehen sein. 
Wir sahen uns das Treiben der Wassermassen einige Zeit an und entdeckten sogar eine Schlange etwas höher auf einem abgeknickten Ast, wo sie Schutz vor den Fluten suchte, bevor wir uns wieder auf den Weg begaben - nächstes Ziel: Surfen in Agnes Water :))

Für mich waren diese Arten von Katastrophen ein bisschen surreal. Ein Zyklon in Deutschland oder diese Wassermassen - als wir auf einen Hügel fuhren und auf das Land unter uns blickten, war alles braun.. Es war einfach alles Wasser! Diese Naturgewalt ist man von Deutschland einfach nicht gewohnt - zumindest nicht in dem Ausmaß. So etwas mitzubekommen war schon ein wahnsinniges Erlebnis, man kann gar nicht fassen, was das anrichten kann. Trotz allem ist es schon etwas aufregend und spannend, so etwas zu beobachten - auch wenn es so viel zerstört.
 Beeindruckend ist es vor allem zu sehen, wie die Australier damit umgehen. Auf alles Kommende vorbereitet steht das Militär direkt bereit, Freiwillige helfen den Schutt vom den Straßen und dem Strand zu räumen, Wäsche zu waschen, Wasser zu verteilen. Anwohner lassen "gestrandete" Backpacker bei sich unterkommen, vor dem Supermarkt wird gratis Eis verteilt und es werden große Ladestationen für Handys aufgebaut, um Angehörigen Bescheid geben zu können, dass hier alles in Ordnung ist. Diese Art von Zusammenarbeit war sehr schön zu beobachten, ein wenig wie im Sinne der Musketiere: "Alle für Einen und Einer für Alle!"   

Ich hoffe, euch geht's gut und ihr seid nicht von einem Zyklon verweht worden ;)
Liebe Grüße,
❤️🌴 ~ Jil